Alltagsflucht ins Schloss Dracula

Natürlich denkt beim Wort Dracula jeder an Transsilvanien. Tatsächlich gibt es auch ein Schloss eines Grafen Dracula in Deutschland. Es liegt bei Berlin.

Es handelt sich um eine zweistöckig im Auftrag von Rudolf Mosse 1896 gebaute Schlossvilla im Stil des Neoklassizismus. Das Gebäude befindet sich auf einem ca. 16 Hektar großen, naturbelassenem Park mit weiteren 12 Gebäuden. Nachdem das Objekt der Familie Mosse als Sommersitz diente, wurde es erst durch die Nationalsozialisten enteignet und danach zu DDR-Zeiten durch die NVA genutzt. 1995 erwarb Ottomar Rodolphe Vlad Dracula Prinz Kretzulesco das Anwesen und zwar nachdem die Familie Mosse es nach der Wiedervereinigung zurückerhalten hatte. Seit 2006 gehört das Objekt nach der Zwangsversteigerung einer Vermögensverwaltung aus Dresden.

Im selben Jahr wurde dort die deutsch-dänische Krimiserie “Der Adler – Die Spur des Verbrechens” gedreht. Leider wird es seitdem nicht mehr genutzt und verfällt zusehends. Gerade der beeindruckende Saal im Erdgeschoss leidet sehr unter Vandalismus und Verwahrlosung. Hier lassen sich Glanz und Gloria der Vergangenheit nur noch erahnen. Dagegen hat man im ehemaligen Gastronomiebereich des Außengeländes das Gefühl, die Zeit wäre stehen geblieben. Dort stehen die Putzmittel und das Geschirr noch von der letzten Benutzung auf dem Tresen. Es wirkt, als würde jeden Moment wieder der Graf um die Ecke kommen. Tatsächlich gibt es immer wieder Bemühungen, das Gelände ein wenig vor dem fortschreitenden Verfall zu bewahren.

Das Tor wird regelmäßig mit einem neuen Schloss gesichert, die Pflanzen werden davon abgehalten, das Gelände völlig unter sich zu begraben. Ohne Investor und zündende Idee für eine weitere sinnvolle Nutzung des wunderschönen Anwesens wird es aber vermutlich nicht mehr lange dauern, bis dieser Lost Place endgültig verfällt.