Kurztrip nach London: Mind The Gap

London gilt bei Statistikern derzeit als die meistbesuchte Stadt der Welt und im Oktober machten auch wir uns auf den Weg in die britische Hauptstadt. Nun zählt Großbritannien generell nicht zu den günstigen Urlaubsländern und wenn man dazu nicht gewillt ist, in einem Schlafsaal mit 12 Anderen zu übernachten, liegt man schnell in einem Preissegment jenseits des Studentenbudgets oder wie in unserem Fall ca. 45 Fahrminuten vor den Toren der Innenstadt.

Da liegt der Gedanke nahe, diese hohen Übernachtungskosten durch billige Flüge zu kompensieren. Doch wie so oft ist man natürlich immer erst hinterher klüger und bucht daher trotzdem den nur auf den ersten Blick unschlagbar günstigen Preis. Bis zum Einsteigen am Gate hat man dann dazu gelernt, dass man ja auch irgendwie den deutschen Flughafen erreichen musste (Extra). Natürlich hat man vorher schon online sein Gepäck gebucht (Extra), seinen Platz reserviert (Extra) oder gelernt, wie man die benötigten Utensilien für bis zu 7 Tage auf sein Handgepäck reduziert (Nicht-Extra). Wobei dies bei dem fotogeneigten Reisenden eigentlich ausfällt, denn unser Handgepäck besteht ja schon immer aus der Fotoausrüstung. Egal ob man sich für die Londoner Flughäfen Gatwick oder Standsted entschieden hat, die dann anschließenden Transfers nach London rein und raus sind natürlich ein großes Extra, was Preis und/oder Zeit angeht. Dank der am Ende aufsummierten Kosten und dem zusätzlichen Zeitaufwand sind wir nicht wirklich besser als mit den großen Airlines gereist, um mal ausnahmsweise für diese zu sprechen.

Sightseeing

London selbst präsentierte sich uns überwiegend mit sonnigem Wetter und auch unser abgelegenes Hotel war dank der sehr guten Verkehrsanbindungen kein wirkliches Problem. Wir konnten vom Stadtteil Croyden wählen, ob wir in die Innenstadt per Bus, Overground oder National Railway reisen. Da auch der wesentlich schnellere Zug Teil unseres 7-Tage-Tickets war, nutzten wir diesen in der Regel und kamen immer zentral an der London Bridge an. Von hier aus lassen sich alle touristischen Sehenswürdigkeiten gut zu Fuß oder mit wenigen Underground-Stationen erreichen. Wobei uns die verschiedenen Wege über und entlang der Themse mehr begeisterten als die überfüllten Geschäfts- und Finanzstraßen der Innenstadt. Ähnlich den deutschen Großstädten ist auch London hier in erster Linie eine große Baustelle, auf der sich Architekten mit hochmodernen, gläsernen Hochhausbauten gegenseitig übertrumpfen wollen. Traditionell zeigt sich die Stadt z.B. noch im Leadenhall und Borough Market und natürlich bei der Wachablösung vor dem Buckingham Palace. Von den neuen Glaspalästen interessierte uns eigentlich nur der Sky Garden auf dem Hochhaus in der Fenchurch Street. Dieser Aussichtspunkt ist entgegen dem bekannteren View from The Shard (ca. 33€ p.P.) kostenlos (mit Reservierung) zu besichtigen. Wir haben hier den Andrang unterschätzt und mussten feststellen, dass auch im Oktober unter der Woche, Plätze frühestens mit einer Woche Vorlauf zu ergattern sind. Zwar sind mittlerweile alle öffentlichen Museen in London kostenlos und wir besichtigten auch eine kleine (Verkaufs-) Ausstellung von Henri Cartier-Bresson, die bekannteren Touristenziele sind jedoch mit sehr hohen Eintrittskosten und langem Anstehen verbunden. Dies überließen wir daher den anderen Besuchern und kehrten in ein traditionelles Pub zu Fish & Chips ein.

Der typische Londoner

Ebenso wie die genannten Märkte gefielen uns die vielen Parks (z.B. St. James Park) und Coffee Shops. Man kann einen Städtetrip auch entspannt gestalten und sich durch die diversen Sandwich-Varianten probieren, die hier viel besser als in Deutschland schmecken. Mit einem Kaffeebecher in der Hand lässt es sich die vorbeiziehenden Massen gut beobachten und so kamen wir zu dem Schluss, der typische Londoner ist meistens in Eile, isst im Laufen, geht nach der Arbeit noch auf ein Bier in die nächste Bar und schläft oder schminkt sich in der U-Bahn. Überhaupt spielt diese für Einheimische und Touristen eine zentrale Rolle. Nur ein Zug war in der gesamten Zeit unpünktlich und auch kleinste Fahrtunterbrechungen werden über Lautsprecher entschuldigt. Den obligatorischen Satz „Mind The Gap“ summen wir auch zwei Tage nach der Rückkehr immer noch im Schlaf.