Unser Roadtrip nach Italien – im November mit dem VW Bus unterwegs

Wir lieben Roadtrips durch Europa und füttern unseren Reiseblog regelmäßig mit den Geschichten. Im November 2016 zog es uns mit dem VW Camper Richtung Süden und wir starteten unsere italienische Reise. Unser erstes Ziel war Lugano an der schweizer Grenze zu Italien. Direkt am See fanden wir einen Platz für unseren Campingbus. Dieser besitzt praktischerweise eine Standheizung. Am nächsten Morgen genossen wir den grandiosen Blick über den nebelverhangenen See und setzten unsere Tour fort. Ursprünglich sah unser Plan für die Woche Italien einen Roadtrip mit mehreren Stopps vor. Dies wurde jedoch durch zwei Dinge spontan geändert. Zum Einen gab es leider das furchtbare Erdbeben, wodurch wir diese Seite Italiens aus der Tourplanung ausklammerten. Zum Anderen war es entgegen unserer Vorstellung gar nicht so leicht im November noch offene Campingplätze in Italien zu finden. Viele Plätze sind nur bis Ende Oktober geöffnet. Dabei wechselte mit der Grenzüberquerung das Wetter zu wunderschönem Sonnenschein und zumindest in Rom hatten wir konstante 20 Grad.

Die ewige Stadt

Überhaupt Rom – um ehrlich zu sein, fällt es uns immer noch schwer, die Stadt zu beschreiben. Ein Superlativ reiht sich an den nächsten und eigentlich ist die ganze Stadt eine einzige Sehenswürdigkeit. Die verwinkelten Gassen laden zum Verlaufen ein. Die Stadt atmet Geschichte aus jeder Sandsteinpore und selbst fünf Tage waren nicht annähernd genug, um alles in uns aufzunehmen. Rom ist die lebendige Pop-Up-Version eines Geschichtsbuches. Bauten aus dem 19. Jahrhundert gelten als jung. Der sichtbare jahrhundertelange Zerfall und das langsame Zerbröseln verschiedener Kulturen bescheren der Stadt nicht nur seinen unverwechselbare Charme, sondern auch jährlich Millionen von Touristen. Hätte es einen Sinn, Straßen, Plätze und Gebäude zu sanieren? Würden sich Menschen aus aller Welt, Tempel ansehen, an denen nur Zeichnungen und Schriften an die tausendjährige Geschichte erinnern? Wohl kaum – Rom ist laut, ziemlich überlaufen und kaputt. Doch dabei strahlt jede einzelne Wand soviel Wärme ab, wie es eben nur Steine können, die nicht nur eine, sondern hunderte Geschichten erzählen. Ihr merkt, wir sind begeistert.

Zu Fuß durch Rom

Dies fing schon bei unserem Campingplatz „Camping Village Roma“ an. Dieser befand sich am Stadtrand, verfügte jedoch keine hundert Meter entfernt über eine Busstation mit Halt direkt unterhalb des Petersplatz. Dieser wurde nun unser täglicher Ausgangspunkt für unsere Reise durch die Gassen Roms. Den Platz selbst können wir für einen Herbstbesuch uneingeschränkt empfehlen. Neue, hochwertige Sanitäreinrichtungen, schattige Stellplätze, ein sehr günstiger Preis und ein großer Supermarkt auf der anderen Straßenseite sind nur einige der Pluspunkte.

Da bei unserem ersten Besuch des Petersplatzes lange Schlangen auf den Einlass in den Petersdom warteten, entschieden wir uns, zuerst die Engelsburg zu besichtigen. Diese ist unserer Meinung nach nicht nur rein geschichtlich betrachtet interessanter, sondern anscheinend bei Reisenden nicht so beliebt. Bereits nach kurzer Zeit passierten wir die Kasse. Wer diese Sehenswürdigkeit nicht auf seinem Plan hat, verpasst definitiv einen traumhaften Ausblick über Rom. Bereits von hier oben konnten wir freudig erkennen, dass viele Sehenswürdigkeiten der Stadt zu Fuß erreichbar sind. Wir entdeckten unzählige Punkte unserer gedanklichen To-Do-Liste und bei einem ersten typisch italienischen „caffé“ im malerischen Dach-Café, planten wir unsere weitere Strecke. Schaut mal im Anschluss an diesen Reisebericht in unserem Vimeo-Kanal vorbei und begleitet uns bei diesem Weg.

Gezieltes Verlaufen

Schnell erkannten wir, dass ein reines Planverfolgen überhaupt nicht sinnvoll ist. Jede zweite Hausecke zog uns in ihren Bann und hätten wir nicht das eine oder andere Mal, den Schritt durch unbekannte Türen gewagt, wären uns sicherlich viele wunderschöne Erfahrungen entgangen. Den vermutlich schönsten Innenhof entdeckten wir hinter einer dieser besagten Türen. Das beste Eis ergatterten wir nach unkonventionellem Abbiegen in eine sehr dunkle Nebenstraße und die leckerste Pizza unseres Lebens genossen wir auf dem Straßenabsatz sitzend an einer überfüllten Kreuzung, deren Namen wir weder dort noch heute auf der Karte entziffern konnten. Keine drei Ecken weiter standen wir auf einmal vor dem Trevi Brunnen, der uns sprachlos ob seiner Schönheit und der Überfüllung mit Menschen zurückließ. Die spanische Treppe empfing uns mit dramatischem Gewitterhimmel und das kurze Timelapse-Video hiervon zeigt, wie sich diese innerhalb kürzester Zeit wieder ohne Regen auflösten. Wenn wir aufzählen sollten, was für uns die schönsten Flecken Roms sind, könnten wir uns wohl kaum entscheiden. Welches ist der schönste Palazzo, welches die schönste Kapelle und welches die schönste Piazza? Das Pantheon beeindruckt mit seiner Architektur und dem reinen Alter. Auf der Piazza Navona mit ihren unzähligen Anspielungen könnt Ihr jede Skulptur auf ihre vermeintliche Doppeldeutigkeit untersuchen. Überrascht wurden wir vom Nationaldenkmal für Vittorio Emanuele II. Dieses hatten wir vorher weder auf Fotos noch in Reiseberichten gefunden. Wir entdeckten es durch unseren Eis-Abstecher und waren von seiner schieren Größe und dem leuchtenden Weiß seiner Mauern überwältigt.

Der Vatikan

Die Vatikanstadt erkundeten wir von jeder Seite. Wir stellten uns einen Tag sogar an die Schlange für die vatikanischen Museen an, um in die sixtinische Kapelle zu gelangen. So beeindruckend die Kunstwerke der vergangenen Jahrhunderte auch sein mögen, das reine Schieben durch die Räume gefiel uns überhaupt nicht. Solltet Ihr in die Museen gehen, müsst Ihr aber unbedingt einen Abstecher in das klitzekleine Café (Achtung: der Eingang versteckt sich bei einem Treppenabsatz) machen. Dort gab es nicht nur sehr günstige, sondern auch unvorstellbare leckere Cornettos mit Zitronenpudding. Obwohl wir jeden Tag bis weit nach Sonnenuntergang auskosteten, fehlen uns noch viele Sehenswürdigkeiten und die ewige Stadt wird uns sicherlich wiedersehen. Habt Mut, Rom auf eigene Faust zu erkunden. Dank moderner GPS-Technik im Handy kann man sich fast nicht verlaufen und zur Not muss eben doch ein Taxi herhalten. Wir stiegen am vierten Tag für eine Teilstrecke vom Petersdom zum Kolosseum auch auf den Bus um.

Cinque Terre

Für die Fortsetzung unseres Roadtrips zog es uns nach Rom noch in Richtung Meer. Angezogen durch die wunderschönen Fotos legten wir einen Abstecher im Nationalpark Cinque Terre ein. Der malerische Ort Manarola ist definitiv einen Besuch wert. Wir mussten unbedingt auch einmal diese in die Küstenwände gepressten Häuser, sowie die meter hohen Wellen sehen. Der Ort selbst ist autofrei und so suchten wir uns kurzfristig ein Zimmer. Von jedem Punkt im Ort hört man das Meeresrauschen, die steilen Straßen lassen einen fragen, warum Menschen sich hier ansiedelten und doch zog es uns sofort in seinen Bann. Vor beinah jeder Haustür steht ein Boot. An jeder Ecke gibt es fangfrischen Fisch und zumindest im November mussten wir diesen wunderschönen Fleck nur mit wenigen anderen Besuchern teilen. Aufgrund der Witterung waren leider einige Fußwege an der Küste entlang, sowie einige Bergwege gesperrt. Hier im Norden Italiens wütete seit Tagen ein Regensturm. Unsere Heimfahrt am nächsten Tag gestaltete sich so sehr abenteuerlich und adrenalinreich. Da dies nicht nur eine zeitliche Verzögerung nach sich zog, fuhren wir an Genua vorbei. Genau wie Florenz, Pisa und Lausanne haben wir uns diese Städte für die nächste Reise durch die Schweiz nach Italien vorgemerkt.

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